Franz Schlegel

Gedanken alter und neuer Meister

Gedanken alter und neuer Meister

V1.11 — Ausgewählt von Prof. Schlegel

Durch Mausklick auf das jeweilige Bild gelangt man zu Gedanken, welche wahrscheinlich (mit wenigen Ausnahmen...) nicht so allgemein bekannt sind, zu denen vielleicht nur derjenige gelangt, der sich auf das Denken einlässt.

Vielleicht sollte man aber zuerst einen Moment bei den Bildern verweilen, um zu raten...

Es wurde absichtlich auf jede Systematik verzichtet, da eine Philosophia Perennis alle großen Gedanken durchzieht.

Rabindranath Tagore J. P. Sartre Alexius Meinong Giordano Bruno Hannah Arendt Thomas Nagel Simone de Beauvoir Emma Goldmann Ernesto Che Guevara Karl Kraus Michael Bakunin Michel Foucault Moritz Schlick Noam Chomsky Marian Heitger John Searle Martin Heidegger Peter Sloterdijk Günther Anders Karl Marx Friedrich Nietzsche Max Horkheimer Bertrand Russell Ludwig Wittgenstein

Was sich überhaupt sagen läßt, läßt sich klar sagen; und wovon man nicht reden kann, darüber muß man schweigen.

255. Der Philosoph behandelt eine Frage; wie eine Krankheit.

261. ... - So gelangt man beim Philosophieren am Ende dahin, wo man nur noch einen unartikulierten Laut ausstoßen möchte. - Aber ein solcher Laut ist ein Ausdruck nur in einem bestimmten Sprachspiel, das nun zu beschreiben ist.

Ich glaube nämlich, daß in der Welt viel zuviel gearbeitet wird, daß die Überzeugung, Arbeiten sei an sich schon vortrefflich und eine Tugend, ungeheuren Schaden anrichtet und daß es nottäte, den modernen Industrieländern etwas ganz anderes zu predigen, ... (Lob des Müßiggangs (1935))

Das schlimmste an der christlichen Religion ist ihre krankhafte und unnatürliche Einstellung zur Sexualität.

Soweit ich weiß, wird in keinem Kirchenlied das hohe Lied der Intelligenz gesungen.

Ich bin selbst gegenüber allen bekannten Religionen Dissident, und ich hoffe, daß jede Art religiöser Gläubigkeit ausstirbt.

Die Behauptung, das Christentum habe einen erhebenden Einfluß auf die Moral, kann nur aufrechterhalten werden, wenn man sämtliche historischen Beweise ignoriert oder fälscht. ('Warum ich kein Christ bin')

Die konkreten Arbeitsbedingungen in der Gesellschaft erzwingen den Konformismus und nicht die bewußten Beeinflussungen, welche zusätzlich die unterdrückten Menschen dumm machten und von der Wahrheit abzögen. Die Ohnmacht der Arbeiter ist nicht bloß eine Finte der Herrschenden, sondern die logische Konsequenz der Industriegesellschaft...

Im Alter von 40 bis 50 Jahren pflegen Menschen eine seltsame Erfahrung zu machen. Sie entdecken, daß die meisten derer, mit denen sie aufgewachsen sind und Kontakt behielten, Störungen der Gewohnheiten und des Bewußtseins zeigen. ...... unter den gegebenen Verhältnissen führt der Vollzug der bloßen Existenz ... schon im Mannesalter zum Kretinismus.

"Ist es wahr, daß der liebe Gott überall zugegen ist?" fragte ein kleines Mädchen seine Mutter; "Aber ich finde das unanständig" - ein Wink für Philosophen!

Als Zarathustra aber allein war, sprach er also zu seinem Herzen: "Sollte es denn möglich sein! Dieser alte Heilige hat in seinem Walde noch Nichts gehört, daß Gott tot ist!"

Das unmittelbare, natürliche, notwendige Verhältnis des Menschen zum Menschen ist das Verhältnis des Mannes zum Weibe. Aus dem Charakter dieses Verhältnisses folgt, inwieweit der Mensch als Gattungswesen, als Mensch sich geworden ist und erfaßt hat...

Wenn wir den Stand gewählt, in dem wir am meisten für die Menschheit wirken können, dann können uns Lasten nicht niederbeugen...

Nein, nicht ein pathologisches, einer Behandlung bedürftiges Symptom ist das Gefühl der "Sinnlosigkeit des Lebens", sondern angesichts des Faktums der Sinnlosigkeit ein völlig berechtigtes Gefühl, ein Zeichen von unbeschädigter Wahrheitsbereitschaft, um nicht geradezu zu sagen: ein Symptom von Gesundheit.

Das Lernen wird zynisch-instrumentell von seinen Zielen getrennt und als bloßes abstraktes Qualifikationsmerkmal gehandhabt. ... Wieviel Ethosvernichtung und Demoralisierung hier fortwährend geschieht, ist kaum zu ermessen...

Die Bodenlosigkeit des Geredes versperrt ihm nicht den Eingang in die Öffentlichkeit, sondern begünstigt ihn. Das Gerede ist die Möglichkeit, alles zu verstehen ohne vorgängige Zuneigung der Sache.

Das Bedenklichste in unserer bedenklichen Zeit ist, daß wir noch nicht denken. ... In das, was Denken heißt, gelangen wir, wenn wir selber denken.

Erstens sollten wir damit aufhören, Dinge zu sagen, die offenkundig falsch sind. ... Zweitens sollten wir uns beständig daran erinnern, was wir mit Sicherheit wissen. ... Drittens sollten wir uns beständig fragen, was für wirkliche Tatsachen in der Welt denn eigentlich den Behauptungen entsprechen sollen...

Als Ware hat Bildung nichts mehr mit Selbstbestimmung zu tun, nichts mit Urteilskraft, schon gar nichts mehr mit der Fähigkeit, verantwortlich zu werten und zu handeln. Sie wird zum Gegenteil dessen, was ihre Dignität ausmacht.

Bildung ist nicht messbar und zählbar, auch nicht durch ein ausgeklügeltes System von Input-Output-verfahren.

Whatever the establishment is, I'm against it.

Wenn man die Veränderung zum Besseren für unmöglich hält, wird sie auch nicht kommen.

Vorbildlich ist es sich immerfort zu bemühen, auch wenn man weiß, daß es vergeblich ist.

Es gibt daher keine prinzipiell unbeantwortbaren Fragen, keine prinzipiell unlösbaren Probleme. Was man bisher dafür gehalten hat, sind keine echten Fragen, sondern sinnlose Aneinanderreihungen von Worten...

Mag sein, daß das Abendland nicht fähig gewesen ist, neue Lüste zu erfinden; sicher hat es keine neuen, ungeahnten Laster entdeckt. Wohl aber hat es dem Spiel der Mächte und Lüste neue Regeln gegeben...

Im allgemeinen liegt es in der Art aller theologischen und auch metaphysischen Gedankengänge zu versuchen, eine Sinnlosigkeit durch eine andere zu erklären.

Jedesmal aber, wenn ein Staatsoberhaupt von Gott spricht, ..., kann man sicher sein, daß er sich vorbereitet, seine Volksherde von neuem zu scheren.

Dem durch keine Parteibrille getrübten Blick muß doppelt deutlich sich das Mene Tekel zeigen, welches dräuend in unserer durch Altarkerzen verstärkten Finsternis zuweilen aufleuchtet.

So möge denn die Fackel einem Lande leuchten, in welchem - anders als in jenem Reiche Karls V. - die Sonne niemals aufgeht.

Es wird immer ungerecht sein, dass ein intelligenter Mensch ebenso viel verdient wie ein geistig kümmerlicher. In Wirklichkeit sollte der intelligente Mensch weniger bekommen...

Bleiben wir realistisch, versuchen wir das Unmögliche.

"Was ich denke" ergibt sich weit eher als ein Prozeß als etwas Endgültiges. Endgültigkeiten sind für Götter und Regierungen, nicht für den menschlichen Verstand.

Man kommt nicht als Frau zur Welt, man wird es.

Als ich die Lust zur Sinnlichkeit entdeckte, habe ich an Gott zu glauben aufgehört. Denn er stahl mir die Erde.

Sobald die Unschuld verloren ist und das reflexive Bewußtsein begonnen hat, gibt es jedoch keinen Rückweg mehr, der zu einer bloß biologischen - beziehungsweise zu einer bloß psychologischen, soziologischen, ökonomischen oder politischen - Anschauung...

Der Philosoph, der in der Öffentlichkeit eingreifen will, ist kein Philosoph mehr, sondern Politiker; er will nicht mehr nur Wahrheit, sondern Macht.

Es ist bekannt, dass der radikalste Revolutionär am Tag nach der Revolution ein Konservativer wird.

Es ist ein Fluch, in interessanten Zeiten zu leben.

Gewalt beginnt, wo das Reden aufhört.

"Er war ein Philosoph, also lästig den Theologen." (Eugen Drewermann über Giordano Bruno, der 1600 von der katholischen Kirche verbrannt wurde.)

„Und sie dreht sich doch“ - das gerne Galilei zugesprochene Zitat, pathetisch vom brennenden Scheiterhaufen geschrien, stammt tatsächlich von Giordano Bruno!

Um zu erkennen, dass es kein rundes Viereck gibt, muss ich eben über das runde Viereck urteilen.

Wer paradoxe Ausdrucksweise liebt, könnte also ganz wohl sagen: es gibt Gegenstände, von denen gilt, dass es dergleichen Gegenstände nicht gibt ...

Du willst Freundschaft? Du willst Liebe? / Heute? Mit einer Milliarde Sklaven und Krieg an allen Ecken der Welt? / Du willst sofort ein Mensch sein? Sonst noch was? Wir sind keine Menschen, mein Lieber, noch nicht.

Was bedeutet ..., daß die Existenz der Essenz vorausgeht? Es bedeutet, daß der Mensch zuerst existiert, sich begegnet, in der Welt auftaucht und sich danach definiert.

[31] »Sag mir, Gefangner, wer hat dich gebunden?« — »Es war mein Meister«, sprach der Gefangne, »ich glaubte jeden in der Welt mit Macht und Reichtum auszustechen...«